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Zitral – Rapmusig (VÖ 06.09.2014) – oder: das «Basler Detox»

Zitrals Debut-Album «Rapmusig» ist so etwas wie der Running Gag des Basler Raps: Vor Jahren vollmundig angekündigt, wollte es partout nicht zur Vollendung kommen. Der Solo-Erstling des Baslers ist so etwas wie die Basler Version von «Detox», dem ominösen Album von US-Rapper Dr. Dre – seit 2004 angekündigt, bis dato nie erschienen.

 

CoverDer Vergleich hinkt allerdings: «Rapmusig» hat nämlich im September 2014 das Licht der Welt erblickt. Wirklich! Auf nicht weniger als 22 Tracks macht der Vollblut-Mcee aus Birsfelden, was er (neben Kochen) am besten kann: Geniale Raps aneinanderreihen als wäre es das Einfachste der Welt, gepfeffert mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein – um nicht zu sagen Selbstverliebtheit.

 

Abgesehen von vereinzelten Querschlägern rappt das TripleNine-Mitglied über nichts anderes als Rap. Eigentlich Haarsträubend. Aber: Was bei den meisten anderen Rappern nach dem ersten Song zur Tortur wird, entwickelt sich beim 32-jährigen Grossmaul zum Hörgenuss: Die Raps von Zitral sind irrwitzig, tollkühn und unvorhersehbar, verschachtelt oder so genial einfach, dass man sich fragt, warum das bis jetzt noch niemand so straight formuliert hat. Kurz: Beste Unterhaltung auf höchstem Niveau.

 

Auf Refrains verzichtet Zitral mit Vorliebe, stattdessen erhalten sein Stuuberocker-Bandkumpel DJ Freak und Brandhärd-Plattendreher Johny Holiday viel Platz für ihre Scratch-Orgien. Rapmusig halt!

 

Für den roten Faden – man könnte auch sagen: roten Teppich – sorgt TripleNine-Hausproduzent SimonAyEm, mit dem Zitral seit 1998 als kongeniales Duo funktioniert. Der Basler Sample-King hat sämtliche Album-Beats auf seinem MPC-Sequencer zusammengeschustert. Beats, wie massgeschneidert für Funklord Zitral: Knochentrockene Drumsets, gepaart mit herzerwärmenden Funk-, Soul- und Jazzsamples, gelegentlich mit obskuren Zwischentönen. Grössenwahnsinnige Raps, gesampelte Beats und gekratze DJ-Punchlines – in seiner Gesamtheit ergibt das eine deftige HipHop-Platte im Vibe des amerikanischen Eastcoast-Rap der 90er Jahre. Boom-Bap, Golden-Era…nennt es, wie ihr wollt. Zitral ist so zeitlos, dass er der Zeit fast schon wieder voraus ist.

 

Die rappenden Gäste auf «Rapmusig» sind wohldosiert und damit umso effektvoller: Neben dem Berner Alleskönner Greis (Chlyklass) sind dies Zitrals langjährige Weggefährten und TripleNine-Bandkollegen Abart, Cinzoman und SimonAyEm, diesmal als Rapper. Layout, Logo, Mix und Mastering stammen ebenfalls aus den eigenen Reihen: Während die Basler Graffiti-Legende Kron für das CD-Artwork verantwortlich ist, hat DJ Johny Holiday (TripleNine/Brandhärd) das Album aufgenommen und arrangiert. Den letzten Schliff verliehen hat ihm Mr. Fierce (TripleNine/Brandhärd) im Mileu – dem Gundeldinger TripleNine-Studio, in dem das Zitral-Album von A bis Z entstanden ist. Über all die Jahre. Gut Ding will Weile haben.


 

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